Vom Messwert zur Maßnahme: KI-gestützte Bewertung und Optimierung des Raumklimas in historischen Museumsgebäuden
Herausforderung
Die österreichischen Museen stehen vor der Herausforderung, in ihren historischen Gebäuden klimatische Bedingungen innerhalb konservatorisch vertretbarer Grenzen zu halten, ohne dabei tiefgreifende bauliche Eingriffe vorzunehmen. Die Gebäude weisen insbesondere im Sommer strukturelle Einschränkungen auf: fehlende Isolierung, unzureichend beschattete oder gedämmte Fenster sowie historisch bedingte Lüftungssysteme mit begrenzter Wirksamkeit; teilweise fehlen gebäudebedingt auch Lüftungs- oder Klimaanlagen. Dadurch entstehen große klimatische Unterschiede zwischen Räumen und Nutzungseinheiten. Feuchte- und Temperaturschwankungen gefährden Exponate und haben teilweise bereits Schäden verursacht. Für Besuchende und Mitarbeitende führen sie zu Komforteinbußen, während konservatorische Anforderungen die Nutzungsmöglichkeiten des Museums sowie den Leihverkehr zwischen Museen begrenzen können.
Insbesondere saisonale Schwankungen und kurzfristige Wetterereignisse führen zu Änderungen von Temperatur, relativer Luftfeuchtigkeit und Luftqualität, die schwer zu kontrollieren sind. Zwischen dem Schutz von Mitarbeitenden und Besuchenden sowie dem Schutz von Sammlungen und Gebäude können dann Zielkonflikte entstehen. Die Abwägung dieser unterschiedlichen Anforderungen führt häufig zu Unsicherheiten bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen. Gleichzeitig befindet sich die Museumsbranche in einem Wandel der konservatorischen Klimabewertung. Aktuelle Empfehlungen von Museumsverbänden sehen für viele Sammlungen erweiterte Klimakorridore vor, innerhalb derer Temperatur- und Feuchtigkeitswerte als akzeptabel gelten können. Dadurch entsteht die Herausforderung, Klimadaten nicht nur zu erfassen, sondern hinsichtlich ihrer tatsächlichen Relevanz für unterschiedliche Objektgruppen, Räume und Nutzungssituationen zu bewerten. Nicht jede Abweichung erfordert dieselbe Reaktion, gleichzeitig können einzelne Sammlungsbestände strengere konservatorische Anforderungen aufweisen. Die Ableitung geeigneter Maßnahmen wird dadurch zunehmend komplexer.
Weiterführende Informationen zum Thema Klimakorridor:
- Ein neuer Klimakorridor für Ausstellungen?: https://www.museumsbund.at/museumspraxis/ein-neuer-klimakorridor-fuer-ausstellungen
- Erweiterung des Klimakorridors: https://www.museumsbund.at/museumspraxis/erweiterung-des-klimakorridors
- Klimatisierung von Depots und Ausstellungsräumen: https://www.museumsbund.at/museumspraxis/klimatisierung-von-depots-und-ausstellungsraeumen
Im laufenden Betrieb zeigt sich, dass händisches Lüften, mobile Luftbe- oder -entfeuchter sowie einfache Messsysteme oder Datenlogger, nicht ausreichen, um ein konservatorisch geeignetes Raumklima zu gewährleisten. Klimadaten werden zwar teilweise erfasst, jedoch fehlen den Mitarbeitenden klare, datenbasierte Empfehlungen, die im laufenden Museumsbetrieb umsetzbar sind, den Denkmalschutz berücksichtigen und für unterschiedliche saisonale Wetterbedingungen passende Maßnahmen ableiten. Stattdessen werden Maßnahmen erfahrungsbasiert umgesetzt und hängen damit sehr stark von der individuellen Kompetenz der jeweils diensthabenden Mitarbeitenden ab. Dies führt zu inkonsistenten Maßnahmen, die teilweise sogar kontraproduktiv für das Raumklima sein können und die Situation verschlimmern.
Fragestellung
Gewünschtes Ergebnis
Gesucht wird eine intelligente und denkmalverträgliche Lösung für Museumsgebäude, die Klima- und Gebäudedaten nutzbar macht und daraus konkrete, umsetzbare Handlungsempfehlungen ableitet. Ziel ist es, Kulturgüter und Gebäude besser zu schützen, Besuchende und Mitarbeitende zu entlasten und den Museumsbetrieb langfristig stabil zu halten. Die Auftraggeber suchen daher Lösungen, die unter diesen Rahmenbedingungen wirksam, nachvollziehbar und nachhaltig sind und eine integrierte Erfassung, Auswertung und Nutzung von Klimadaten ermöglichen.
Ziel ist ein intelligenter, datenbasierter Ansatz, der Klima-, Gebäude- und Wetterdaten analysiert und an unterschiedliche Räume und Nutzungsarten angepasst werden kann und unterschiedliche Anforderungen wie Objektschutz, Besucherkomfort und Arbeitnehmerschutz berücksichtigt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen nachvollziehbar, verständlich und für das Personal im laufenden Betrieb einfach umsetzbar sein. Im Fokus steht nicht die Einhaltung möglichst enger Klimawerte, sondern ein konservatorisch sicherer, nachvollziehbarer und energieeffizienter Betrieb. Die Lösung soll Ressourcen schonen, unnötige Klimatisierungsmaßnahmen vermeiden, Risiken für Exponate und Gebäude frühzeitig sichtbar machen und die Planung von Ausstellungen einschließlich Leihgaben unterstützen.
Lösungen können bestehende Produkte ebenso umfassen wie innovative Ansätze, etwa Sensorlösungen, datenbasierte Plattformen oder KI-gestützte Entscheidungs- und Empfehlungssysteme und sollten folgende Punkte berücksichtigen:
- Einfache Umsetzung im Museumsbetrieb mit möglichst geringem technischem Aufwand und ohne umfangreiche bauliche Eingriffe
- Integration vorhandener Datenquellen sowie optional zusätzlicher Sensorik (Innenklima, Außenklima, Wetterdaten)
- Berücksichtigung konservatorischer Klimakorridore und der unterschiedlichen Anforderungen von Sammlungs-, Depot- und Ausstellungsbereichen sowie nachvollziehbare Bewertung von Risiken, Prioritäten und Handlungsbedarf
- Automatisierte Auswertung und Generierung konkreter Handlungsempfehlungen, die über reines Monitoring hinausgehen
- Hohe Benutzerfreundlichkeit und klare Visualisierung
- Anpassungsfähigkeit, Erweiterbarkeit und Offenheit (keine proprietären „Black-Box“-Systeme)
- Datensicherheit und DSGVO-Konformität
Aufruf zur Einreichung
Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihre innovativen Ansätze für ein intelligentes, praxistaugliches und denkmalverträgliches Raumklima- und Maßnahmenmanagement in Museen vorzustellen. Gesucht werden Unternehmen und Kooperationspartner, die Museen dabei unterstützen, klimatische Risiken frühzeitig zu erkennen, Maßnahmen zu priorisieren und konservatorisch fundierte Entscheidungen im laufenden Betrieb zu treffen.
Im Mittelpunkt stehen Lösungen, die vorhandene Innenraum-, Außen- und Wetterdaten nutzen, um Handlungsbedarf nachvollziehbar zu bewerten und konkrete, situationsbezogene Empfehlungen abzuleiten. Besonders interessant sind Ansätze, die konservatorische Anforderungen verschiedener Sammlungen berücksichtigen, unterschiedliche Nutzungs- und Gebäudesituationen bewerten und Museen dabei unterstützen, Exponate, Gebäude, Mitarbeitende und Besuchende wirksam zu schützen. Gesucht werden insbesondere Lösungen, die mit geringem technischem Aufwand umsetzbar sind, bestehende Datenquellen integrieren und ohne umfangreiche bauliche Eingriffe auskommen.
Ihre Einreichung sollte den technischen und organisatorischen Ansatz, mögliche Einsatzbereiche im Museumsbetrieb, und den konkreten Mehrwert zum Schutz für Mitarbeitende, Besuchende und Sammlungen darstellen. Stellen Sie die Anforderungen an Einbau, Betrieb, Wartung sowie Support und Weiterentwicklung nachvollziehbar dar. Preise sowie andere kostenrelevante Informationen können als vertrauliche Information (nur sichtbar für die Jury) angegeben werden.
Beschreibung:
Reichen Sie Ihren Lösungsansatz über das Online-Formular ein und beweisen Sie, wie Ihre Lösung Museen dabei unterstützt, Raumklima, Luftqualität und klimarelevante Maßnahmen datenbasiert, verständlich und praxistauglich zu steuern. Beschreiben Sie insbesondere, welche Datenquellen Ihre Lösung einbindet, wie Innenraumwerte, Außendaten und Wetterprognosen verarbeitet werden und wie daraus konkrete Handlungsempfehlungen für unterschiedliche Räume, Nutzungen und Personengruppen entstehen.
Gehen Sie zudem darauf ein, wie Ihre Lösung im laufenden Museumsbetrieb eingeführt werden kann, welche technischen Voraussetzungen notwendig sind und wie bestehende technische und organisatorische Maßnahmen berücksichtigt werden. Stellen Sie ebenfalls dar, wie Sicherheitsaspekte wie Brand- und Einbruchsschutz, Anforderungen des Denkmalschutzes sowie konservatorische Zielwerte in die Empfehlungen einfließen.
Überzeugen Sie mit konkreten Anwendungsfällen, Referenzen, Pilotbeispielen oder vergleichbaren Umsetzungen, die zeigen, dass Ihre Lösung nicht nur Messwerte sichtbar macht, sondern Museen zu wirksamen, nachvollziehbaren und umsetzbaren Maßnahmen befähigt.
Zusammenfassung des Mehrwerts:
Bringen Sie das Alleinstellungsmerkmal und entscheidende Vorteile auf den Punkt! Was macht Ihre Lösung besonders innovativ? Was zeichnet sie aus? Anwendungsbeispiele, Referenzen und ein realistischer Projektverlauf helfen bei der Bewertung.
Optional können Sie auch noch eine Datei anhängen. Diese Datei soll die Texte der Formularfelder ergänzen, aber nicht ersetzen und wiederholen! Nutzen Sie den Dateianhang z.B. für Grafiken.
Vertrauliche Infos (nur für die Jury):
Diese Information kann über die Plattform vertraulich eingereicht werden. In dieses Textfeld können Sie weitere Informationen eintragen, die Sie ausschließlich mit den Projektverantwortlichen teilen möchten. Alternativ ist die Zusendung einer PDF per E-Mail an die Moderatoren der Challenge möglich.
WICHTIGER HINWEIS:
Einreichungen im Konsortium sind möglich. Fassen Sie sich kurz (Richtwert: maximal 10-12 Präsentationsfolien oder 4-5 Din A4 Seiten). Wir befinden uns mit der Challenge in der Markterkundung. Es ist daher nicht notwendig, extra für diesen Anlass ausgearbeitete Entwürfe oder Machbarkeitsstudien zu erstellen.
Einreichungen sind bis zum 27.11.2026 23.59 Uhr möglich.
Nutzen der Challenge und weiterer Projektverlauf
Die Challenge dient als strukturiertes Instrument der Markterkundung. Sie soll den Museen in Österreich einen fundierten Überblick über verfügbare Ansätze, relevante Anbieter und mögliche Kooperationspartner im Bereich intelligenter, datenbasierter und denkmalverträglicher Raumklima- und Maßnahmensteuerung verschaffen. Dabei sollen unterschiedliche technologische und konzeptionelle Zugänge vergleichbar gemacht werden bzw. in einem System zusammen kommen – etwa Sensorik, Datenplattformen, KI-gestützte Modelle zur Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen für den laufenden Museumsbetrieb. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für mögliche nächste Schritte dienen, etwa vertiefende Gespräche, Pilotanwendungen oder spätere Beschaffungsschritte und Umbaumaßnahmen.
Für Unternehmen bietet die Teilnahme die Möglichkeit, ihre Ansätze frühzeitig bei öffentlichen Auftraggebern sichtbar zu machen und mit den Projektverantwortlichen in den fachlichen Austausch zu treten. Besonders überzeugende Einreichungen werden als Gewinner bekannt gegeben und können im Rahmen des abschließenden Innovationsdialogs präsentiert werden.
Halten Sie sich für den Innovationsdialog daher den 20.01.2027 frei!
Die Challenge endet mit diesem Innovationsdialog. Allfällige spätere Beschaffungsschritte erfolgen gesondert und unter Einhaltung der jeweils geltenden Bestimmungen des BVergG.
Vergaberechtlicher Hinweis des Sponsors:
Festgehalten wird, dass die beteiligten öffentlichen Auftraggeber dem Vergaberecht unterworfen sind. Die gegenständliche Markterkundung stellt ausdrücklich keinen Beschaffungsvorgang im Sinne des BVergG in der geltenden Fassung dar, sondern dient als IÖB-Markterkundung lediglich als Vorstufe für eine mögliche zukünftige Beschaffung unter Anwendung etwaiger Beschaffungsrichtlinien und des BVergG.
Sie haben die passende Lösung?
Dann reichen Sie ein!
Fragen zur Challenge
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